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 Fokker DR 1


Modellbauer: www.manfredschnepf.de

Bericht Modellflieger 2006

Bericht FMT-Extra 2007



Fokker DR 1

Fokker Dr. I als Originalnachbau im Maßstab 1:3

Trotz ARF-Boom ist das Selbstbauen langsam wieder im Kommen.
Doch was tun, wenn der Baukasten die Detailtreue nur un-
zureichend hergibt? Oftmals sind die kleinen Details,
die ein Flugzeug erst wirklich ausmachen, im Bauplan
nicht zu finden. Hier ist oftmals Recherche angesagt.
Es werden alte Fotos studiert und Originalpläne gesucht,
um die eigenen Vorstellungen zu befriedigen. Dies kann
durchaus schon dazu führen, dass auf diese Weise ein
„echtes“ Flugzeug im Maßstab entsteht.

 Ein großer Traum war es schon immer, ein bemanntes
Flugzeug als flugfähiges Modell original nachzubauen.
Im Jahre 2003 entdeckte ich zufällig eine Beschreibung
des Fokker-Dreideckers Dr. I bei einem Messebesuch
in Sinsheim. Dieses Flugzeug wurde im Ersten Weltkrieg
durch Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen alias
„Der Rote Baron“ bekannt. Dieses Flugzeug löste sofort
Begeisterung aus. Folglich wurden weitere Hefte und
Bücher gekauft. Auf der Suche nach mehr Informationen
im Internet fiel – wieder durch Zufall – das Fokker-Team
Schorndorf auf.

Große Pläne

 Die Gruppe hat nach mehrjähriger Recherche und dem Kauf
verbliebener Originalfragmente einen kompletten
Zeichnungssatz des Originalflugzeuges erstellt und
nach diesem einen Fokker Dr. I im Maßstab 1:1
nachgebaut. Dieser Dreidecker ist wahrscheinlich
der einzige Nachbau, der am ehesten dem Original von
früher entspricht. Einzelne Zeichnungen und sogar der
komplette Zeichnungssatz können erstanden werden, wobei
der komplette rund 2.000,– Euro kostet. In den Jahren
1917 bis 1918 wurden zirka 320 Maschinen gefertigt, von
denen heute keine einzige mehr existiert. Auch die
Fertigungspläne und Zeichnungen der damaligen Zeit sind
fast alle vernichtet. Alle heutigen Dr. I sind Nachbauten.
Der 1:1-Nachbau des Fokker Teams Schorndorf ist im Museum
in Speyer zu sehen. Der Entschluss stand fest: Das neue
Modell sollte der Fokker-Dreidecker sein. Mit den im
Internet rund 60 freigegebenen und im Laufe des Baufort-
schritts etwa 100 zugekauften Zeichnungen vom Fokker-Team
wurde geplant.

Fokker DR 1
Die Zeichnungen kamen per E-Mail.
Alle Zeichnungen wurden zunächst auf DIN-A3-Papier ausge-
druckt und anschließend die Maße im entsprechenden Maßstab
berechnet und ersetzt. Da Modellbauer in der Regel alle
größeren Teile wie Rumpf, Flügel und Leitwerke auf dem Plan
erstellen, musste für alle Teile und Baugruppen am Computer
eine CAD-Zeichnung erstellt und per Plotter im neuen
Maßstab 1:3 ausgedruckt werden.

Material

 Ursprüngliche Versuche, aus Gewichtsgründen die Hartlöt-
arbeiten mit Alurohren durchzuführen, schlugen fehl.
Das Aluminium war zu weich und hartes Aluminium ließ
sich nicht besorgen. Also wurde die Material-Identität
so weit wie möglich beibehalten. Ausnahmen sind die Stahl-
rohre, die im Modell durch Chrom-Nickel-Rohre ersetzt wurden.
Die verwendeten Rohre haben die Durchmesser 2, 3, 4, 5, 6, 7,
8, 10 und 12 Millimeter, alle mit einer Wandung von 0,3 Millimeter.
Als weiteres Material wurden Stahlrohre mit 1 und 2 Millimeter
Wandungsstärke, Chrom-Nickel-Tropfenrohre, Aluminium- und
Messingblech in 0,3 sowie 0,5 Millimeter, Chrom-Nickel-Blech
in 0,3, 0,5 und 0,7 Millimeter, Sperrholz in 0,4, 0,6, 1 und
2 Millimeter sowie diverse Leisten aus Kiefern- und Fichtenholz
verwendet.

Rumpf und Rohrteile

 Teile wie Rumpf, Seitenleitwerk, Höhenleitwerk mit Dämpfungs-
fläche und Querruder sind aus Chrom-Nickel-Rohr. Alle Bau-
gruppen wurden in Hellings sowie Haltevorrichtungen aufgebaut
und mit zwei verschiedenen Brennerdüsen mit Butangas, Silberlot
und Lötpaste hartgelötet. Vor dem Löten wurden die einzelnen Rohre
abgelängt, entgratet und angepasst. Die Biegeradien sind mit einer
selbstgebauten Biegevorrichtung und diversen Schablonen hergestellt.
Dem Baufortschritt entsprechend entstand so mit der Zeit ein Berg von
Biege-, Löt- und anderen Vorrichtungen. Der Rumpf ist mit Stahlseilen
und Spannschlössern in den Gefachen verspannt, das heißt rund 70 ge-
kaufte Spannschlösser wurden nachgedreht und nachbearbeitet. Die
originale Motoraufhängung aus Stahlrohr und Aluflanschen wurde zur
Aufnahme des ZG 38 mit Getriebe durch einen 10-Millimeter-Sperrholz-
spant ersetzt. Die vier Fahrwerksbeine bestehen – wie der Pylon für
den Oberflügel – aus Chrom-Nickel-Tropfenrohren, die mit gedrehten
Kugeln und Kugelpfannen am Rumpf montierbar sind.

 Der Steuerknüppel ist samt seiner drehbaren Längsachse mit der
Steuerung der Querruder und des Höhenruders voll funktionsfähig;
außerdem sind für die beiden Maschinengewehre die Auslösemechanik,
ein Unterbrecherschalter und der Gasregelmischer an ihm montiert.
Das Seitenruder ist mit funktionsfähigen Fußpedalen ausgerüstet.
Alle Ruder werden mit Stahlseilen, Spannschlössern und mit ent-
sprechenden, aus Blech gefertigten Ruderhörnern angelenkt.
Sie sind mit Hohlkehlen aus Holz versehen. Die Ruder sind an den
Ruderscharnieren mit Muttern und Schrauben montierbar.
Beiden Maschinengewehre mit dem klangvollen Namen „MG 08/15“
sind im Eigenbau entstanden. Da auf dem Markt keine MGs im Maß-
stab 1:3 entdeckt werden konnten, wurde ein MG im Maßstab 1:5 ge-
kauft(eine Art Revell-Bausatz), auf den neuen Maßstab vergrößert
und aus Sperrholz sowie Alurohr nachgebaut.

Wie der Echte

 Weitere Extras sind ein kardanisch aufgehängter funktionsfähiger
Kompass, ein Benzinregler und ein Boschschalter. Der Schalensitz
ist höhenverstellbar und mit Sitzgurten und -schloss ausgestattet.
Ein Munitionskasten mit den Patronengurt-Zuführungen an die MGs und
der zweigeteilte Rumpfboden runden den Innenausbau des Rumpfes ab.
Der Hecksporn aus Holz und Metallbeschlägen ist drehbar und mit
Gummischnur federnd gelagert. Das Fahrwerk ist als Rippenfläche mit
2 Grad Anstellwinkel aufgebaut, hat als Innenaufbau einen genieteten
Aluminium-Holmkasten mit zwei Achslagerkästen aus Stahlblech und zwei
Hilfsholme aus Alurohr, die Radachse ist beidseitig mit Gummischnur
federnd gelagert. Die Fahrwerksstiele sind aus Chrom-Nickel-Tropfen-
profilrohr und ebenfalls mit Kugel sowie Kugelpfannen am Rumpf montierbar.

Fokker DR 1

 Das Fahrwerk ist mit 0,4-Millimeter-Sperrholz voll beplankt.
Die Räder mit den Gummireifen sind Rohbau-Fertigteile von TC,
die noch mit Nylongewebe und Spannlack bespannt wurden.
Die Motorhaube aus Aluminium wurde über einer selbst gedrehten
Form aus Sperrholz mit 358 Millimeter Durchmesser und rund
150 Millimeter Dicke auf einer Drückerbank gedrückt. Sie ist wie
beim Original mittels eines Spannseiles am Rumpf montier- und
demontierbar. Zur Formgebung des Rumpfes sind noch mit Kiefern-
leisten verstärkte 1-Millimeter-Sperrholzdreiecke an beiden Seiten
und am Rumpfrücken genietet und geschraubt. Der Oberursel-Neun-
zylinder-Umlaufmotor ist mit vier sichtbaren Zylindern nur Attrappe.
Für den Bau des Motors wurden dem Autor vom Rolls-Royce-Museum in
Oberursel bei Frankfurt freundlicherweise einige Kopien der Original-
zeichnungen vom Kriegsministerium der USA von 1917
zur Verfügung gestellt.

Fokker DR 1

Tragwerk

 Alle Flügel haben das gleiche Profil und einen Anstellwinkel von
2,5 Grad. Das Profil ist kein Modellprofil, sondern das im Maß-
stab 1:3 herunter gerechnete Originalprofil.Der obere Flügel ist

Fokker DR 1
mit Querrudern aus Chrom-Nickel-Rohren versehen. Tragendes Bauteil
aller Flächen ist ein Holm, der als Doppelkastenholm aufgebaut ist.
Ein Hilfsholm aus 4 x 4-Millimeter-Kiefernholz stabilisiert die Enden
der Rippen. Der Doppelkastenholm hat jeweils vier Kieferngurte, die
zu den Flügel- Enden hin von 15 x 5 auf 7 x 5 Millimeter konisch ver-
jüngt sind. Die einzelnen Gurte werden mit 0,6-Millimeter-Sperrholz
miteinander verkastet, sodass ein Holm mit den Maßen 33,3 x 66,6 Milli-
meter und – beispielsweise für den Oberflügel – eine Länge von zirka
2.150 Millimeter entsteht. Für die schraubbaren Flügelstreben, Flügel-
halterungen und die Querruder-Seilmechanik sowie die Gleitkufen am
Unterflügel wurden zwischen den Gurten an den entsprechenden Stellen
mit Holz aufgefüttert. An den Innenseiten des Doppelholms werden zur
Schraubenmontage dieser Beschläge Blechstreifen mit je zwei aufge-
löteten Muttern (eine Art Einschlagmuttern) angenagelt. Außerdem sind
die Doppelholme innen mit mehreren, beidseitig mit 0,6-Millimeter-
Sperrholz beplankten

Fokker DR 1
Rahmen aus 5 x 5-Millimeter-Kiefernleisten gegen Verwindung verstärkt.
Die Flächen sind im Original jeweils aus einem Stück gefertigt. Beim
Modell ist der mittlere und untere Flügel geteilt und steckbar aufgebaut.
Die Steckung besteht aus einem Alurohr mit 25 Millimeter Durchmesser

Fokker DR 1
und der entsprechenden Hülse. Die rund 70 gleichen Rippen aus 0,6-
Millimeter-Sperrholz wurden mit Hilfe verschraubbarer Stahlschablonen
in mehreren Packs gesägt, gebohrt und verschliffen.

 Zur Gewichtserleichterung sind die Rippen mit sieben unterschiedlichen
Bohrungen versehen. Außerdem haben sie eine rechteckige Aussparung
von 33,3 x 66,6 Millimeter, sodass sie später über den Hauptholm auf-
gefädelt werden können. Die Rippen haben zur Verstärkung auf dem ge-
samten Profil einen 2 x 3-Millimeter-Kiefernleistengurt. Zum besseren
Halt auf der Rippe ist der Gurt mit einer Nut von 0,7 x 1 Millimeter
Tiefe versehen. Die Gurtleisten werden nass vorgebogen und nach dem
Trocknen über die Rippe geschoben und verklebt. Anschließend werden
sie nochmals mit einer weiteren Stahlschablone im Pack von jeweils
acht Stück im Profil geschliffen. Als weitere Verstärkung sind an
beiden Seiten der Rippe jeweils drei 0,6 Millimeter dicke und 5 Milli-
meter breite Sperrholzriemen aufgeleimt. Nach dem Auffädeln auf den
Hauptholm werden die Rippen ausgerichtet und mit je sechs Dreikant-
leisten am Hauptholm festgeleimt. Die sechs Randbogenrippen sind in
ähnlicher Bauweise gefertigt. Einzelne Rippen werden mit 0,4-Milli-
meter-Sperrholz als so genannte Doppelrippe und als Verstärkung der
Querruderanlenkung sowie der Scharniere mit dem Hilfsholm verleimt.
Die Beplankung des vorderen Flügels wird mit 0,4-Millimeter-Sperrholz
vorgenommen. Das Anfertigen der Flügelstreben, der Gleitkufen, deren
Halterungen und der Beschläge für die Befestigung der Flügel am Rumpf
und am Pylon beenden den Rohbau.

Fokker DR 1

Nächste Schritte

 Es kann gesagt werden, dass sich die Mühe nach fast zwei Jahren seit
Baubeginn und rund 2.000 Stunden Bauzeit gelohnt hat, dieses herrliche
Projekt zu starten. Der Bau hat bis jetzt große Freude bereitet.
Ein großes Dankeschön gilt den Freunden im Modellflugverein MFG Aspach
und weiteren Mithelfern für die Unterstützung und Hilfe im Projekt mit
dem Spitznamen „Zeppelin“. Auch das große Verständnis der Ehefrau des
Autors sollte lobende Erwähnung finden. Zukünftig wird das Modell auf
mehreren Messen ausgestellt werden, zum Beispiel auf der Faszination
Modellbau in Sinsheim.

Fokker DR 1

 Die noch ausstehenden Arbeiten zum flugfähigen Modell sind im Einzelnen
der Einbau des Benzintanks, das Anfertigen der rund zehn Rumpf-Ver-
kleidungsbleche mit den Montageschellen, einer Inspektionsklappe am
Unterboden, die Bespannung und Lackierung, die Polsterung am MG und
am Cockpiteinstieg sowie das Einbringen der Fernsteuerungselemente
nebst Stromversorgung. Die Servos sollen bei den funktionsfähigen
Steuerelementen wie Steuerknüppel, Seitenruderanlenkung und Querruder
eingeschleift werden. In zirka zwei Jahren ist geplant, die Dr. I
flugfähig zu machen – es bleibt zu hoffen, dass sie dann in ihrem
eigentlichen Element zurechtkommt.

Manfred Schnepf


Artikel aus Modellflieger, Februar/März 2006.
Mit freundlicher Genehmigung der
Wellhausen & Marquardt Mediengesellschaft


                            



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